Er konnte nicht weggehen

 

Heute möchte ich euch erzählen was ich neulich beim Einkaufen erlebt habe.

Es war ein Samstagmorgen.  Samstags gehen viele Leute einkaufen, weil sie für das Wochenende jede Menge Lebensmittel brauchen, oder weil sie in der Woche keine Zeit dazu haben. Vor dem großen Geschäft war also jede Menge los. Autos kamen, parkten, fuhren wieder weg. Leute gingen in das Geschäft und kamen wieder heraus, den Einkaufswagen vor sich herschiebend. Kinder hüpften aufgeregt herum oder quengelten, weil sie nicht das bekommen hatten was sie wollten.

Direkt an dem Eingang saß ein Hund. Er hatte ein rotes Mäntelchen an und war angebunden. Hunde dürfen ja nicht mit in das Geschäft.

Die elektrische Tür des Geschäfts ging immer auf und zu, jedes Mal, wenn jemand hinein ging  oder herauskam.

Dem Hund machte diese Tür Angst, er zuckte jedes Mal zusammen, wenn die Tür sich bewegte. Er konnte nicht weggehen, sich woanders hinsetzen, er war ja angebunden.

Menschen liefen an ihm vorbei, die Einkaufswagen erschienen ihm wie riesige Monster. Manchmal kamen sie ihm sehr nah und er hatte Angst, dass er von diesen Monstern überfahren würde. Er konnte nicht weggehen, sich woanders hinsetzen, er war ja angebunden.

Es gab Menschen, die sprachen ihn an: „Na, du kleiner Hund, musst du hier warten?“

Es gab auch Menschen, die gingen zu ihm hin, beugten sich in ihrer ganzen Größe über ihn und tätschelten auf seinem Kopf herum. Der Hund wollte das alles gar nicht. Mittlerweile stand er schon und sein Schwanz klebte unter seinem Bauch. Ihr wisst ja, dass ist ein Zeichen dafür, dass Hunde sich sehr unwohl fühlen und Angst haben. Aber, er konnte nicht weggehen, sich woanders hinstellen, er war ja angebunden.

Kinder spielten um ihn herum Fangen, ganz nah um ihn herum. Als die vier Kinder keine Lust mehr hatten zu spielen, wollten sie den Hund streicheln, alle auf einmal. Überall spürte der Hund kleine Hände auf seinem Körper. Nicht sehr sanft fassten sie ihn an. Er machte sich immer kleiner und kleiner. Niemand bemerkte seine Not. Er konnte nicht weggehen, sich woanders hinstellen, er war ja angebunden.

Nun reichte es ihm und er fing an zu bellen und zu knurren. Die Kinder sprangen erschrocken von ihm weg. Die Eltern der Kinder schimpften über den Hund: „Der ist ja gefährlich!“

Bestimmt eine halbe Stunde war der Hund nun schon dort angebunden und musste auf seine Besitzer warten. Ich fasste mir ein Herz und ging ganz langsam auf den Hund zu, sprach beruhigend zu ihm: „Hab keine Angst, ich bringe dich jetzt weg von all der Unruhe hier.“ Vorsichtig hielt ich dem Hund meine Hand hin, damit er daran schnüffeln konnte. Ein paar Leckerchen hatte ich noch in der Tasche. Vor lauter Aufregung konnte der Hund aber nicht essen. Langsam löste ich die Leine von dem Haken, an der sie festgebunden war, sprach weiter leise und beruhigend mit dem Hund. Dann ging ich mit ihm ein ganzes Stück weg, weg von dem Trubel und der Hektik. Wir hockten uns nebeneinander und dankbar schmiegte der Hund sich an mich. Auch ein paar Leckerchen konnte er jetzt nehmen.

Wir behielten die Eingangstür im Auge. Nach einer Ewigkeit, kam ein Pärchen aus dem Geschäft und stand fassungslos an der Stelle wo sie den Hund angebunden hatten. Hektisch sahen sie sich um. Ich machte mich bemerkbar, indem ich aufstand und zu ihnen herüber winkte. Sie kamen schnell angelaufen und begrüßten den Hund überschwänglich. Mich jedoch schimpften sie aus: „Was fällt Ihnen ein, unseren Hund zu klauen…?“ Als sie sich wieder etwas beruhigt hatten, erzählte ich ihnen, was der Hund dort an der Eingangstür erlebt hatte.

Die Beiden waren sichtlich erschüttert. „Unser armer Max, das wollten wir doch nicht, dass er Angst hat! Wir haben uns gar keine Gedanken gemacht. Das wird nicht noch einmal passieren.“

 

 

Wie würdest du dich fühlen, wenn du irgendwo angebunden wärst, so wie Max und hilflos alles über dich ergehen lassen müssest?

Wenn du mal einen Hund entdeckst, der angebunden ist und auf seine Besitzer warten muss, sag bitte einem Erwachsenen bescheid, der sich darum kümmert. Geh nicht zu dem Hund, er könnte vor lauter Frust und Ärger wirklich vielleicht beißen.