...und Hunde können doch rechnen!

 

1000-998= ??

 

Ist diese Aufgabe zu schwierig für einen Hund, für Lucy?

Ja, sagen die Schüler

Nein, sagt die Lehrerin.

Wir machen die Probe. Die Schüler rechnen die Aufgabe aus und verraten das Ergebnis nicht.

Der Hund soll ja alleine rechnen und nicht vorgesagt bekommen!!

Alle Schüler haben gerechnet, die Köpfe rauchen noch.

Es geht los, gleich wird sich zeigen, ob Lucy es schafft diese schwere Aufgabe zu lösen.

Bei den hohen Zahlen wird dem ein oder anderen Schüler ja schon mal schwindelig.

„Lucy, komm arbeiten.“

Lucy setzt sich ganz cool in Positur.

Es ist mucksmäuschen still im Klassenzimmer.

Die Spannung steigt.

Die Lehrerin kniet sich vor Lucy auf die Erde.

Ein Schüler darf die Aufgabe stellen. Er ist so aufgeregt, er muss sich räuspern.

„Lucy, wie viel ist 1000-998?“

Jeder Atemzug der Schüler ist zu hören, die Luft  knistert vor Anspannung.

Lucy hebt ganz lässig ihre Pfote und schlägt sie behutsam gegen die erhobene Hand der Lehrerin. Erst einmal, dann ein zweites Mal. Dann – nicht mehr.

Sie sitzt still und scheint zu fragen:“ Was ist daran so schwer?“

Die Schüler sitzen erst mit offenen Mündern da, dann fangen sie an zu jubeln.

„Lucy kann doch rechnen!!!!!“

Ja, kann sie und ihr Leckerchen hat sie sich auch verdient.

 

 

 

 

 

 

Das haben wir ja schon lange nicht mehr gemacht!

 

 

Wie viele andere Hunde auch, liebt es Lucy hinter Bällen herzujagen. Je weiter und je höher desto besser. Im Winter sind es Schneebälle, im Sommer alle anderen Bälle, Hauptsache sie fliegen. Am liebsten spielt sie mit meinen Söhnen Hockey. Lucy ist immer Torwart. Im Garten steht ein kleines Fußballtor, die Jungs versuchen einen Tennisball mit dem Hockeyschläger in das Tor zu bekommen, gar nicht so einfach. Lucy fischt fast jeden Ball aus der Luft. Meine Söhne müssen sich schon richtig anstrengen, um mal ein Tor zu schießen.

Eines Tages, es regnete in Strömen, saß mein jüngster Sohn auf der Erde und kullerte, ziemlich in Gedanken, immer einen Tennisball über die Erde von einer Hand in die andere. Lucy beobachtete diese Aktion gespannt. Mit einem Mal legte sie sich vor meinen Sohn, der kullerte ihr den Ball ganz vorsichtig zu. Lucy, dieser eigentlich ziemlich stürmische Hund, stupste den Ball mit der Nase zu ihm zurück. So ging das eine Weile hin und her. Ich beobachtete dies Szene interessiert und dachte: „Na ja, das ist sicher nur Zufall“.

Später probierte ich es auch noch einmal und siehe da, es klappte immer noch. Ich war begeistert! Meine Gedanken ratterten und ich überlegte, wie ich diese Übung in der Schule einsetzen könnte. Schon am nächsten Tag bot sich in meiner Klasse eine Gelegenheit. Ein Schüler war ziemlich unruhig und nicht mehr in der Lage still zu arbeiten. So holte ich einen Tennisball, erklärte dem Schüler die Übung, rief Lucy und positionierte die beiden richtig. Der Schüler saß mit gegrätschten Beinen auf der Erde, Lucy lag mit einem kleinen Abstand vor ihm, die Vorderbeine leicht auseinander. Die beiden kullerten sich den Ball zu, als hätten sie nie etwas anderes gemacht. Ein tolles Team! Der Schüler wurde ruhiger und konnte nachher wieder besser arbeiten.

Wie das so ist, irgendwann wird die Übung nicht mehr oft gemacht und gerät schließlich in Vergessenheit.

Vor ein paar Tagen fragte der Schüler, ob er sich nicht mal wieder mit Lucy den Ball zukullern könne. „Oh ja, „meinte ich, „das habt ihr ja schon lange nicht mehr gemacht!“

Der Schüler holte sich den Ball, setzte sich auf die Erden, rief Lucy und positionierte sie richtig, so dass sie ihm gegenüber lag. Er kullerte den Ball zu Lucy – und – sie schnappte sich den Ball und lief damit weg! Oh, der Schüler und ich sahen uns perplex an. Er versuchte es noch einmal, es klappte wieder nicht. Die Enttäuschung war groß.

Zu Hause übte ich das „Ballkullern“ noch ein paar Mal mit Lucy und bei ihrem nächsten Einsatz in der Schule hatte sie es wieder verinnerlicht und konnte mit dem Schüler spielen.

Nun hatte ich wieder etwas gelernt. Übungen müssen, auch wenn man meint sie werden sicher und auf Dauer richtig ausgeführt, immer wiederholt werden, damit der Hund sie nicht einfach vergisst.